GiB Hannover
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gemeinnützige Gesellschaft für
integrative Behindertenarbeit mbH


GiB Zeit

Netzwerk Tagesförderstätten zu Gast in der Tafö

Vor gut acht Jahren gründete sich das Netzwerk Tagesförderstätten Niedersachsen. Der Unmut über politische Entwicklungen in der Eingliederungshilfe, konkret die Einführung des HMB-T Verfahrens, war der Motor für Leitende und Mitarbeitende niedersächsischer Tagesförderstätten sich zu einem Netzwerk zusammenzuschließen. Ziel ist es, die Interessen der Menschen zu vertreten, die diese für sich selbst nicht wahrnehmen können. Wie lassen sich Gelder akquirieren, wie lassen sich strittige Fragen mit Kostenträgern klären, wie machen andere das? Miteinander reden, Rat einholen und über den eigenen Tellerrand blicken, das ist ein Teil der Netzwerkarbeit – die regelmäßigen Fachtage mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten sind ein anderer Teil. Das Netzwerk der Tagesförderstätten Niedersachsen ist für alle Tafös, unabhängig von deren Organisationsstruktur, offen.  In diesem Jahr war die Tagesförderstätte der GiB Gastgeber, Thema des Fachtags war „Autismus in Tagesförderstätte“.

Einrichtungsleitung Andrea Sewing hielt dazu den Impulsvortrag, stellte Ursachen, Symptome, Diagnose und therapeutische Methoden vor. Als Konsequenz für die Tafös sieht die  Sozialpsychologin zum einen den Einsatz funktionaler Verhaltensanalysen, die Überzeugung, dass das Lernen nie aufhört, dass einfache Verhaltensebenen miteinbezogen werden müssen, dass mehr TEACCH und mehr Unterstützte Kommunikation notwendig sind. Ebenso müssen die Tafös nach Aussage von Andrea Sewing die besondere Reizverarbeitung von Autisten und das Wissen um Stress in ihrer Betreuung berücksichtigen. Das bedeutet eine konsequente Umstellung der Räume, des eigenen Verhaltens, des Umgangs mit Zeit und Materialangeboten. Ein Bewusstsein für die tiefgreifende Entwicklungsstörung ist zu schaffen bzw. zu stärken. An dieser Stelle steht der vollständige Vortrag als Download zur Verfügung.

Kern der Veranstaltung bildete der Vortrag des Diplom-Psychologen Reinhard Rudolph, Diakonie Christophorus Göttingen. Er rückte das Thema „Wahrnehmung und Informationsverarbeitung bei Menschen mit Intelligenzminderung und Autismus“ in den Fokus und stellte mit Blick auf die praktische Arbeit in den Tafös die Frage: Wie kann Stress für Menschen mit Autismus reduziert werden?
Wer Autismus verstehen will, muss sich zunächst fragen, was liegt dem Verhalten zugrunde. Autismus als unsichtbare Behinderung hat vielfältige genetische Ursachen, die zu einer anderen Funktionsweise im Gehirn führen. Die bewirkt eine andere Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, was ein anderes Erleben und andere Bedürfnisse zur Folge hat. Sichtbar wird dann das Problem-Verhalten, das sich im sozialen Umgang, in der Kommunikation und in eingeschränkten, stereotypen Verhaltensmustern äußert.
Reizüberflutung, Kontextblindheit, Filterschwäche u. a. führen zu Angst, Aufregung, Blockaden, Druck, Unruhe und vielen anderen Reaktionen des Menschen mit Autismus. Hier stellt sich, so  Reinhard Rudolph, die Frage nach den Konsequenzen für die Betreuung. Bei der Betreuung von Menschen mit Autismus und geistiger Behinderung ist der Grundgedanke: Autismus ist nicht heilbar, sondern eine unsichtbare Behinderung. Unterstützung geben Kompensationsstrategien und die Gestaltung einer autismusfreundlichen Umwelt. Es sei effektiver und humaner Stress zu analysieren, ihn zu vermeiden und zu reduzieren sowie konkrete Hilfen zur Bewältigung anzubieten als zu bestrafen, zu ignorieren oder zu belohnen.  

Wer bei der Vorbereitung der Fachtage mitmachen möchte oder auch bei der Arbeitsgruppe des Netzwerkes dabei sein möchte, kann sich per E-Mail melden unter a.sewing@gib-hannover.de

Vollständiger Vortrag als PowerPoint