Einrichtungen für Kinder und erwachsene Menschen mit Behinderung.
„Insgesamt ein toller Tag! Danke!“ „Eine schöne Idee. Es bleibt im Kopf, sich mehr um die eigene Gesundheit zu kümmern“. Ein ausgesprochen positives Fazit zogen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beim ersten Gesundheitstag der gemeinnützigen Gesellschaft für integrative Behindertenarbeit (GiB) und vergaben auf ihren Bewertungsbögen mehrheitlich die Gesamtnote „sehr gut“ bis „gut“. Rund 170 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus allen Einrichtungen der GiB beteiligten sich an der Veranstaltung in der Tagesförderstätte Vahrenwald.
Gemeinsam stellten die Mitarbeitervertretung und Geschäftsführung der GiB für sie ein eintägiges Programm zusammen, was die eigene Gesundheit in den Fokus rückte. Mit ihren Infos und Angeboten wollten die Initiatoren die Selbsterkenntnis der Einzelnen fördern, denn von ihrer Gesundheit profitieren sie nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch im privaten Leben. Schon heute ist ein Großteil der Mitarbeiter über vierzig, Zeit für sie und das Unternehmen sich den Anforderungen dieser demografischen Entwicklung zu stellen. „Wir fragen uns, was wir schon heute tun oder anfangen müssen, um in zehn Jahren oder später unsere Arbeit machen zu können, die uns wahrscheinlich noch einmal deutlich mehr abverlangt, als heute! Dabei ist die GiB als Arbeitgeber in der Pflicht, jedoch auch jeder Mitarbeiter für sich!“ erklärt GiB-Geschäftsführer Markus Kriegel.
Ausgiebig schnupperten die Teilnehmer in den verschiedenen Bewegungs-, Entspannungs- und Ernährungsberatungskursen. Darüber hinaus bewegte sie im „World Cafe“ der Berufsgenossenschaft BGW die Frage „Kann ich bis 67 gesund und munter meinen Beruf ausüben? Wie bleibe ich fit trotz täglicher Belastungen und mit welchen Belastungen habe ich zu kämpfen? Wie es um die persönlichen Gesundheitswerte bestellt war erfuhren Teilnehmer an den Mess- und Analyseständen der Barmer-GEK, des Landesapothekerverbandes, des Gesundheitszentrums Villa Vitale und der Orthopädie-Schuhtechnik Schievink.
Einen umfassenden Einstieg in den bewussten Umgang mit dem Thema Gesundheit gab die Barmer-GEK. Die Ersatzkasse war mit einem umfangreichen Präventionsangebot und der Spielkonsole Wii auf den GiB-Gesundheitstag gekommen. „Wir sind auf ein hochinteressiertes, fachkundiges und um die eigene Gesundheit besorgtes Publikum getroffen“, stellte Barmer-GEK-Vertriebsmitarbeiter Werner Rust fest.
Dichtes Gedränge herrschte dort, wo Gesine Langhorst, Gabriele Hausschild und Andrea Schwarz ununterbrochen Blutzucker, Blutdruck und BMI bestimmten. Rund 130 Blutdruck- und 110 Blutzuckermessungen führte das Team des Landesapothekerverbandes durch, das stellvertretend für die niedersächsischen Apotheken den Gesundheitstag der GiB mit kostenlosen Messungen begleitete.
Schlangen bildeten sich auch am Stand von Orthopädie-Schuhtechnik Schievink. Insgesamt 127 Fußabdrücke nahm Peter Schievink. „Probleme in der Statik des Körpers lassen sich schon mit leichten Hilfsmitteln wie Fußstützen und speziellen Einlagen ausgleichen und erleichtern das Stehen und Gehen“, erklärte Schievink, der eine regelmäßige Kontrolle der Füße empfiehlt und gleichzeitig die MBT-Schuhe als Trainingsgerät vorstellte.
Überraschungsergebnisse gab es ein paar Meter weiter. Kein einziges Analyseblatt blieb übrig, lange Schlangen bildeten sich vor der Spezialwaage „Tanita Inner Scan“. Bis zur letzten Sekunde analysierte der Sportwissenschaftler des Gesundheitszentrums Villa Vitale die Körperfett-, flüssigkeits- und Muskelmassenanteile. Deutlich bessere Werte hinsichtlich ihres Stoffwechselalters erzielten die Enddreißiger und Mittvierziger gegenüber der Generation der Mitte bis Ende Zwanzigjährigen. Die „Best Age-Kollegen“ ernährten sich bewusster und bewegten sich stärker, war das Fazit von Matthias Schwarz.
Das Thema gesunde Ernährung griff Ernährungsberaterin Daniela Marquardt auf. Was aber ist wirklich gesund und was ist mehr Schein als Sein? Wie sie Obst und Gemüse in ihren Speiseplan integrieren können, dass Direktsäfte keine Vitamin- sondern eher Zuckerbomben sind, Müsliriegel mehr versprechen als sie halten, und vieles mehr rund um die wirklich gesunde Ernährung, erfuhren Teilnehmer dieses Schnupperangebots. Jeder sollte vier bis fünf Mal am Tag je eine Handvoll Obst oder Gemüse zu sich nehmen – erlaubt sind alle Variationen, roh, gekocht, eingelegt. Noch etwas empfiehlt Daniela Marquardt: Pausen mit Genuss. Nicht schnell am Schreibtisch, sondern in Ruhe mit Genuss – auch am schön gedeckten Tisch sollte frühstücken und Mittag essen.
Eine Lernmethode, die es ermöglicht, aus alten Gewohnheiten neue Bewegungsmuster zu entdecken, die noch aus der kindlichen Entwicklung bekannt sind, stellte die Feldenkraispädagogin, Krankengymnastin und SI-Therapeutin Doris Schellig der GIB in Schnupperstunden vor. Die erlernten alternativen Bewegungsmuster helfen zum Beispiel einer schnellen Ermüdung vorzubeugen. „Die ganzheitliche Methode beschränkt sich nicht nur auf den Körper, auch kognitiv und emotional entwickeln sich Feldenkrais-Teilnehmer weiter. Die Bewegungen setzen dort an, wo Menschen etwas können“, erklärte Schellig.
Mit Pilates zeigte Susanne Görlitz, Inhaberin des Studios 1880 in Hannover, ein ganzheitliches Training, das einst für Männer entwickelt wurde und die Tiefenmuskulatur anspricht. Nur ein Effekt des Trainings sei es, dass die Wirbelsäule aufgerichtet und mobilisiert werde. Das sei etwas, was gerade bei der Arbeit in den Einrichtungen dringend gebraucht würde, so die ausgebildete Trainerin.
Gesund in die Rente – das machte der Essener Diplom-Psychologe und Organisationsberater der Berufsgenossenschaft BGW Wolf Oberkötter im „World Cafe“ zum Thema. Mehrheitlich mit einem „Vielleicht“ antworteten die Teilnehmer des „World Cafes“ auf die Frage „Glauben Sie, dass Sie bis zur Rente gesund und munter arbeiten können?“ Für „teilweise sehr wichtig“ hielt die Mehrheit der Befragten Veränderungen der Arbeitssituation, um dieses Ziel zu erreichen. Die Ergebnisse dieser neuen Moderationsmethode sollen in den späteren Prozess des betrieblichen Gesundheitsmanagements einfließen.
Gleich mit drei Angeboten war die Rückenschule Hannover beim Gesundheitstag vertreten. Nordic Walking als Herz-Kreislauftraining, Entspannung und Stressbewältigung mit dem Fokus auf den konstruktiven Umgang mit Stress sowie mit der Rückenschule. In seiner Rückenschule verfolgt Inhaber Ulrich Kuhnt einen ganzheitlichen biopsychosozialen Ansatz. Rückengesundheit habe nicht nur mit dem Rücken zu tun, sondern auch mit vielen psychischen Faktoren wie Sorgen, Ängsten, Stress sowie sozialen Faktoren, zu denen unter anderem Lob, Wertschätzung, Kooperationsbereitschaft und Arbeitsplatzzufriedenheit gehörten.
Etwas zufrieden in den Alltag schauen, positiv mit der Arbeitsplatzsituation umgehen, dies sei ein Teil der Rückengesundheit, sagte Kuhnt und empfahl Gesundheitsförderung auf allen Ebenen des Unternehmens mit weitestgehender Beteiligung der Mitarbeiter an allen Konzepten. Ebenso empfehlenswert wäre nach Ansicht von Kuhnt die Bildung eines Arbeitskreises Gesundheit, der sich konsequent mit der Frage beschäftigt: Wo drückt der Schuh bei den Mitarbeitern und welche Lösungsstrategien können wir erarbeiten?
Die zweite Podestebene der integrativen Kita „Elfriede-Westphal“ ist fertig
Es ist geschafft. Ihre zweite Erlebnis- und Podestebene hat die integrative Kindertagesstätte „Elfriede-Westphal“ in Misburg erhalten. Nachdem die Katzengruppe sich bereits im Oktober über eine Erlebnislandschaft in ihrem Gruppenraum freuen konnte, bekam die Igelgruppe jetzt auch ihre individuell gestaltete Holzlandschaft aus Rattan und Birke. Naturbelassenes Material, keine Farbe, keine Chemie kennzeichnen die Konstruktion aus Höhlen, Ausgucken, Aufstiegen sowie zahlreichen Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten.
Wie bei der ersten Konstruktion baute auch dieses Mal die Düsseldorfer Firma „Kinder (t)räume“ den Traum aus Holz, nachdem Mitarbeiter und Kinder mitgeholfen hatten, die alte Konstruktion abzubauen und den Raum leer zu räumen.
In nur zwei Tagen konstruierte das rheinische Handwerkerteam eine Podestlandschaft, die es den zwei- bis sechsjährigen Kindern erlaubt, auf verschiedenen Ebenen durch Höhlen zu kriechen, zu klettern, zu rutschen und sich auch einmal zurückzuziehen. Die zahlreichen Sprech- und Sehlöcher laden ein, miteinander zu kommunizieren, wenn die Kinder durch die maßgefertigte Konstruktion krabbeln.
Ein weiteres großes Plus der Investition: Der Gruppenraum gewinnt durch die neue Ebene zusätzlich an Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder. Abnehmbar ist die Rutsche, zusätzlichen Stauraum bieten die Schubladen unterhalb der Bodenplatte. Wie die erste Erlebnislandschaft ist auch die zweite für alle Kinder bespiel- und erlebbar, obwohl sie sich über mehrere Ebenen erstreckt.
Ein besonderes Bonbon sind die kleinen, ebenfalls maßgefertigten Bänke aus Birkenholz, die die Firma als Zugabe mitlieferte. Die Arbeit der Düsseldorfer Firma trägt eine erkennbare Handschrift, dennoch ist jede Konstruktion ein Unikat. Extras wie die Tonspitze mit Schnecke und Eidechse als Zeichen für Schnelligkeit und Langsamkeit – unterstreichen das.
Was auf den ersten Blick nach purem Spaß aussieht, hat auch einen pädagogischen Hintergrund. Die neue Landschaft bietet den Kindern Möglichkeiten, auch einmal für sich allein sein zu können. Dies sei etwas, was für die mentale Gesundheit der Kinder wichtig sei, erklärt Einrichtungsleiterin Saskia de Kock. Sie lernten, das Bedürfnis allein sein zu wollen, anzuerkennen und erholten sich dabei. Die neuen Ebenen lassen genügend Raum, um eigene Spielideen zu entwickeln, und geben außerdem Anregung zu Rollen- und Theaterspielen.
Finanziert wurden beide Konstruktionen größtenteils durch Spendenmittel. Einen insgesamt fünfstelligen Betrag investierte die Einrichtung in beide Konstruktionen. Zu drei Vierteln übernahmen der Bezirksrat Misburg/Anderten, der Sparkassen-, die Hans- und Elfriede-Westphal- sowie die Friedrich und Dora Rauch-Stiftung die Kosten. Die Differenz zahlte die GiB. Zur Kostensenkung trug erneut Einrichtungsleiterin Saskia de Kock bei, die zum zweiten Mal die Kost und Logis der Handwerker übernahm, in dem sie die drei Tischler bei sich Zuhause unterbrachte.
Sparkasse Hannover versteigert 96-Trikot zugunsten der GiB-Wohngruppen Grünaustraße 15
Wieder einmal zeigte die Sparkasse Hannover ihr Herz für Menschen mit Autismus. Ein Originaltrikot mit den Unterschriften der aktuellen Fußballbundesligamannschaft ließ der Vertriebsleiter der Filiale in Badenstedt, Peter Anders, bei der ersten Gewerbeschau des Wirtschaftskreises Badenstedt unter den Hammer bringen. Der Erlös ging an die Wohngruppe für Menschen mit Autismus in der Grünaustraße. Insgesamt 200 Euro konnten die GiB-Mitarbeiterinnen Kim Waite und Judith Lippmann gemeinsam mit zwei Bewohnern der Wohngruppe 15A, Rüdiger Langhage und Christian Müller, entgegennehmen.
Die Niederlage gegen Bayern München am Vortag machte es Moderator Tom Ludwig nicht einfach - dennoch brachte das handsignierte Trikot der Roten 120 Euro ein. Die Sparkasse legte noch 80 Euro darauf, um die Summe aufzurunden.
Ersteigert hat das Fantrikot Karina Hanslik aus Velber, für die Neunjährige und ihren Vater Helge lohnte sich das Bieten. Zum Trikot bekam die junge Hannover 96-Anhängerin noch ein Badehandtuch, einen Fußball und eine Flasche Prosecco der Sparkasse Hannover.
Es ist bereits das zweite Mal, dass die Sparkasse Hannover ein Projekt der GiB-Einrichtung unterstützt. Vor zwei Jahren erhielten die Wohngruppen für Menschen mit Autismus einen Zuschuss für ein neues Bodentrampolin, das heute für die Bewohner ein beliebtes Entspannungs- und Bewegungsgerät im Garten der WG ist.
Das Engagement der Sparkassenfiliale ist für Peter Anders einerseits ein Zeichen nachbarschaftlicher Hilfe. Andererseits hat sich das Unternehmen die Sportförderung mit dem Schwerpunkt Breitensport zum Ziel gesetzt und unterstützt dabei auch zahlreiche soziale und karitative Einrichtungen.
Die erneute Spende fließt in ein aktuelles Projekt. Noch in diesem Sommer möchte die Wohngruppe der Grünaustraße 15A einen Parcours der Sinne anlegen. Rund 4000 Euro sind dafür bereits veranschlagt.
In dem großen Garten soll eine Ecke entstehen, die alle Sinne anregt: Duftende Blumen und Kräuter, wohlschmeckende Beeren und Obst, Klangspiele, Mobiles und ein Fußfühlpfad aus unterschiedlichen Materialien von Kieselsteinen über Sand zu Holz und Borke. Dieser Parcours soll den Bewohnern und Bewohnerinnen beider Wohngruppen weitere Möglichkeiten der Sinneswahrnehmung und -schärfung bieten.
Geplant ist, ihn in die Verantwortungsbereiche der Bewohner zu integrieren, so dass jeder Bewohner und jede Bewohnerin sich für einen kleinen Teil des Parcours zuständig fühlt, erklärt Judith Lippmann, pädagogische Mitarbeiterin der Wohngruppe für Menschen mit Autismus.
Einen Einblick in das Leben unter dem GiB-Dach bekommt Peter Anders demnächst. In naher Zukunft wird er die Einrichtung besuchen, um sich ein Bild vom Leben der Menschen mit Autismus in der GiB-Einrichtung zu machen.
Andreas Grethe feierte sein 35-jähriges Tafö-Jubiläum
Keine großen Geschenke wünschte sich Andreas Grethe zu seinem Tafö-Jubiläum. Nur ein gemeinsames Frühstück mit alten und neuen Weggefährten aus den Tagesförderstätten Vahrenwald und Bothfeld sollte es sein. Gutes Essen in netter Gesellschaft ist seine Leidenschaft, und das hat Andreas Grethe bekommen, denn Grethe – auch Pitti genannt - kann für sich den Titel „Dienstältester Tafö-Beschäftigter“ in Anspruch nehmen. Gemeinsam mit GiB-Geschäftsführer Markus Kriegel und Beschäftigten aus seiner aktuellen sowie der alten Gruppe aus Bothfeld frühstückte der Jubilar am 1. April in der Tagesförderstätte Vahrenwald.
Seit 35 Jahren ist der 52-Jährige in der Tafö beschäftigt, kennt die geschichtliche Entwicklung der Förderstätte von ihren Anfängen am Wedekindplatz über die Einrichtung am Engelbosteler Damm bis zur Gründung der Tafö in Vahrenwald und später in Bothfeld.
Pitti kennt jede Gruppe, jeden Beschäftigten, der Mann im Rollstuhl mit dem freundlichen Lächeln ist so etwas wie eine Institution der Tafö, und sie mögen ihn alle, sagt Lars Kaste, Betreuer in der Schatzinsel-Gruppe, der Pitti angehört. Seine herzliche Art, sein Charme sei es, dem sich kaum einer entziehen könne, wenn sich Pitti mit seinem Selbstfahrerrolli durch die Einrichtung bewege.
Und immer wieder verblüfft Pitti seine Mitmenschen. Neben einem phänomenalen Namensgedächtnis, hat er noch eine andere beeindruckende Gabe. Hätte es die Wette nicht schon gegeben, wäre Pitti potentieller Kandidat bei „Wetten dass“ mit garantierter Siegchance. Egal welches Geburtsdatum ihm genannt wird, Pitti kennt den passenden Wochentag dazu. Noch bevor die Frage ausgesprochen ist, kommt die Antwort. Wie er das macht, erklärt er nicht, sondern lächelt nur freundlich vor sich hin.
Die Tafö ist aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken. „Wenn ich nur in der Wohngruppe wäre, würde ich versauern“, erklärt Pitti. Die Angebote der Einrichtung oder einfach nur das Klönen mit Mitarbeitern und Beschäftigten tragen zu seiner persönlichen Zufriedenheit bei. Die Tafö ist für ihn zum Lebensmittelpunkt geworden. Abwechslung, Beschäftigung und Kontakt zu anderen Menschen bedeutet dies für den freundlichen Mann, der alte Krimis mit Kommissar Erik Ode zu seinen Leidenschaften zählt.
Autistische Künstlerinnen und Künstler stellen in der documenta-Halle aus
Ein Ausstellungstipp von Hans Georg Schneider
Matthias Elsen (49) ist Autist und malt seiner frühesten Jugend. „Seine Bilder und Serien wurden nie veröffentlicht, obwohl es inzwischen eine Unmenge davon gibt,“ sagt sein Bruder Volker Elsen, Inhaber der Kommunikationsagentur N-CODING in Paderborn, und fand das außerordentlich schade. Mehr und mehr beschäftigte ihn der Gedanke, dass viele Menschen mit Autismus, die sich kreativ ausdrücken, ihre Werke nicht ausstellen können und daher unbekannt bleiben, obwohl sie es aufgrund ihrer künstlerischen Arbeit verdient hätten. So formulierte er die Idee: „Es muss das Ziel sein, das kreative Potential von Künstlerinnen und Künstlern mit Autismus sichtbar zu machen und deren künstlerische Aktivitäten nachhaltig zu fördern.“
2006 wandte er sich damit an Maria Kaminski. Sie ist die erste Vorsitzende des 1970 als Selbsthilfeverein gegründeten Verbandes „Autismus Deutschland e.V.“, der seit Jahrzehnten praktische Lebenshilfe für Familien und deren autistische Angehörige betreibt.
Das war der Startimpuls zur Gründung der Initiative „akku“. Sie soll Kunst und kulturelle Ausdrucksformen von Menschen mit Autismus in Deutschland fördern und öffentlich machen. Darüber hinaus sollen Netzwerke und Strukturen geschaffen werden, um eine langfristige Kunst- und Kulturförderung für Menschen mit Autismus zu etablieren.
Der Name „akku“ entstand aus der Abkürzung der Zielsetzung von Initiative für „Autismus, Kunst und Kultur“. In diesem Namen „akku“ treffen sich die Vorstellung vom Akku als aufladbarer Energiespeicher mit der konzeptionellen Idee, dass Kunst und Kultur wichtige Energiespender für das gesellschaftliche Leben sind. Denn die Kunst und Kultur sind es, die den Künstlern immer wieder die Energie und Kraft geben, ihre Projekte zum Leben zu erwecken.
Die spannenden Fragen, die sich für mich als Vater eines autistischen Künstlers stellen: Wie therapeutisch wirkt Kunst auf autistische Menschen, wenn man sie als Ausdrucksform anbietet und sie unterstützt, sie für sich zu erschließen? Gibt die künstlerische Arbeit Einblicke, um die Welt von Autisten sinnlich erlebbar zu machen? Wie real, surrreal und bunt wird sich die Welt der Autisten darstellen, wenn man ihnen einen Rahmen gibt, sich in ganz vielfältiger, höchst individueller Weise der Öffentlichkeit zu präsentieren? Kann man mit einer solchen Werkschau im öffentlichen Meinungsbild Irritationen, Ängste, Stigmata gegenüber Autismus abbauen und für mehr Verständnis und Toleranz gegenüber dem autistischen Anderssein werben?
Zitat:
„Kein anderes Metier als die Kunst ist in der Lage, Teilhabe und Integration so unmittelbar und vor allem freudvoll sichtbar zu machen. Aus diesem Grund ist „akku“ ein besonderes Projekt mit einer ganz eigenen Wirkung.“ Maria Kaminski
Inzwischen ist „akku“ sehr erfolgreich gestartet. In einem Internetauftritt (www.initiative-akku.org) werden Künstler mit Autismus mit der Idee vertraut gemacht und aufgefordert, sich mit ihren Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Installations-, Foto- oder Videokunst sowie Literatur, Poesie und Musikwerke zu beteiligen und damit eventuell eine Chance zu bekommen, sich mit ihren Werken der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Jetzt findet in wenigen Wochen die große Auftaktveranstaltung und erste große nationale museale Werkschau von Kunstwerken autistischer Künstlerinnen und Künstlern in der documenta-Halle in Kassel statt. Vom 29. Mai bis zum 20. Juni 2010 sind die Exponate unter dem Titel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zu sehen.
Die Veranstalter der Initiative „akku“ haben dafür prominente Mitstreiter und Unterstützer gewonnen. Die Schirmherrschaft übernahm der Hessische Staatsminister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Jürgen Banzer. In einem Festakt am Vorabend der Ausstellungseröffnung wird er ein Grußwort an die Gäste richten und die Ausstellung zusammen mit Maria Kaminski, der Vorsitzenden des Bundesvorstandes von Autismus Deutschland e.V. eröffnen.
Als „akku“-Botschafter für die künstlerische Qualität und die kulturelle Bedeutung fungiert der international renommierte Jan Hoet, künstlerischer Leiter der Documenta 9 (1992) und Gründungsdirektor des renommierten Kunstmuseums MARTa, Herford.
Professor Dr. Sabiene Autsch von der Fakultät Kulturwissenschaften der Universität Paderborn wird das Ausstellungsprojekt begleiten und im Wintersemester 2010 eine Seminarveranstaltung anbieten, die sich mit der Arbeit autistischer Künstler beschäftigt und eine spätere Ausstellung zu diesem Thema in Paderborn zum Ziel hat.
Bekannte Fotografen, unter ihnen auch Herlinde Koelbl (bekannt durch das Buch „Spuren der Macht“, der Verwandlung des Menschen durch das Amt) portraitieren die Künstler. Die Fotos werden als Teil der Ausstellung in Kassel und im etwa 360 Seiten starken Ausstellungskatalog zu sehen sein.
Insgesamt reichten 181 Bewerberinnen und Bewerber ihre Beiträge für die Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ein. Alle Künstler werden repräsentiert. Den nach der Jurymeinung herausragenden Arbeiten wird in der documenta-Halle besonderes viel Raum gegeben. Unter ihnen ist auch Stefan Schneider, der in der GiB-Autisten-WG in der Grünaustraße in Hannover seinen Lebensmittelpunkt hat. Seine Kunsttherapeutin Josephin Lorenz, die auf Initiative der Eltern seit mehr als fünf Jahren Stefan Schneider und andere Bewohner betreut, wählte einige Werke aus dem Schaffen von Stefan Schneider aus und reichte sie ein. Seine Bewerbung wurde angenommen und nun ist er einer der ausstellenden Künstler in Kassel.
Josephin Lorenz ist darüber besonders glücklich, weil Stefan, der noch vor wenigen Jahren nur monochrome Flächen gemalt hat, sich heute künstlerisch sehr dezidiert mit seinen Lebenseindrücken und seiner Umwelt auseinandersetzt. Nach einer ersten kleinen Ausstellung im Kulturzentrum Plantage in Hannover bekommt er jetzt eine weitere Chance, sich mit einem ersten großformatigen Acrylbild auf nationaler Ebene vor einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die Kasseler Ausstellung wird sich in zwei Hauptbereiche gliedern: Einen klassischen Ausstellungsteil, der die Positionen einzelner Künstler in ihrem Schaffen darstellt und eine Gesamtinstallation, die sich in einer thematischen Szenografie mit einer Reihe von Werken ganzheitlich auseinandersetzt. Es wird neben der reinen Ausstellung ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, Podiumsdiskussionen, Kinovorführungen und Workshops geben. Das besondere Highlight ist der 5. Juni 2010. An diesem Sonnabend findet im Rahmen des Expertentages für Museumsleute, Galeristen, Kunstvereine und Kunstinteressierte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Diversität im Kunstbetrieb“ statt. Jan Hoet wird mit Vertretern aus Kultur, Hochschule und Politik darüber streiten, welche Chancen und Möglichkeiten Kunst von Menschen mit Autismus und anderen Beeinträchtigungen im etablierten Kunstbetrieb hat.
Interessierte können sich in Kassel ab 29. Mai 2010 die erste nationale Kunstausstellung mit Werken von ausschließlich autistischen Künstlerinnen und Künstlern ansehen. Ausführliche Informationen erhalten sie im Internet unter www.ichsehewas.de

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