Ein Tag voller Eindrücke! Von der Hoffnung des Aufblühens trotz belastender Erlebnisse in einer Umgebung, die nicht für mich gemacht ist, über Gänsehautmomente durch Beziehung als primären Faktor in der Begleitung von Menschen im Spektrum bis zu einer sehr persönlichen Geschichte.
„Anpassen, aushalten – oder aufblühen?“
Den Start machte Prof. Dr. habil. Marek Grummt, Lehrstuhl für Pädagogik bei körperlichen und komplexen Behinderungen, Universität Würzburg. In seinem Vortrag „Anpassen, aushalten – oder aufblühen? – Autistische Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld von Masking, Burnout und Selbstfindung“ zeigte Grummt nach einer kleinen Einführung in die Neurodiversitätsforschung auf, was Masking bedeutet und welche (negativen) Auswirkungen es für autistische Kinder und Jugendliche hat. Er machte aber auch deutlich, dass aufblühen durchaus möglich ist und wie die Säulen Familie, Freundschaften, Kita, Schule und Arbeit dabei unterstützen können.
„Wie Gänsehautmomente entstehen“
Natascha Németh, Leitung Fachdienst Teilhabe und Beratung bei der GiB gGmbH Hannover, sprach mit ihrem Vortrag „Wie Gänsehautmomente entstehen – Beziehungsorientierte Entwicklungsbegleitung von Kindern im Autismus-Spektrum“ vielen anwesenden Fachkräften und Eltern aus der Seele. Denn sie hob die Beziehung als erste und wichtigste Grundlage für die Begleitung von Menschen im Spektrum heraus.

„Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Autismus-Spektrums und des Selektiven Mutismus“
Wie differenzieren wir zwischen Selektivem Mutismus und dem Autismus-Spektrum, wenn auf den ersten Blick einige Verhaltensweisen gleich wirken? Dr. Gloria Gehb von der Justus-Liebig-Universität Gießen, Abteilung für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, bat die Fachkräfte im Raum, Eltern keine vorschnellen Hypothesen zu Diagnosen mitzuteilen, sondern Verhalten gut zu beobachten und zu beschreiben. Dies könne helfen, den diagnostischen Herausforderungen gut zu begegnen.
„Sozio-emotionale Entwicklungsdiagnostik als Grundlage individueller Förderung bei Autismus“
Karin Hackl vom schulischen Beratungszentrum der Carl-August-Heckscher-Klinik München und der LMU München berichtete in Anlehnung an Zepperitz und Conty (2022) über die Möglichkeiten, intellektuell beeinträchtigte Menschen im Autismus-Spektrum individuell zu begleiten. Auch ging es darum, die sozio-emotionale Entwicklungsdiagnostik zu nutzen, um passgenaue Förderung zu ermöglichen.
„Erwachsen-Werden mit Autismus und hohem Unterstützungsbedarf“
Ein ganz persönlicher Moment bildete den Abschluss der Veranstaltung. Karoline Markowski kam zusammen mit Dr. Katrin Ehrenberg von der Leibniz Universität Hannover auf die Bühne und berichtete über die Begleitung und Unterstützung ihrer jetzt 21-jährigen Tochter im Spektrum. Die Teilnehmenden erhielten einen Einblick, wie persönliches Budget genutzt werden kann, um gemeinsam mit der Familie, der Schule, der Tagesförderstätte, persönlichen Assistenzen und Therapeut*innen eine entwicklungsfördernde Umgebung zu schaffen. Diese wurde über die Jahre immer wieder angepasst und verändert, damit sie zur aktuellen Lebensrealität der Tochter passte.

Im Foyer gab es neben Infoständen und einem Büchertisch von Diana Künne, Pädagogischer Verlag und Buchhandlung, auch genügend Zeit zum Austausch und leckeres Fingerfood.
Vielen Dank an alle Referent*innen für ihr Engagement zum Thema Autismus und an das Team vom Fachbereich Fortbildung für die tolle Organisation!








